Auf kulinarischer Reise durch Europa

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Auf kulinarischer Reise durch Europa

Als Küchenchef im Söl’ring Hof bereite ich täglich zahlreiche Gäste Freude mit seinen erstklassigen Kreationen. Umso mehr genieße ich es, selber den Platz des Gastes einzunehmen und Gaumenfreuden zu erleben – auf meiner Reise durch einige Städte Europas gab es davon nicht zu wenig. Hier berichte ich von meinen Entdeckungen.

Die europäische Küche ist so unglaublich vielseitig: Ob herzhaft, deftig, mediterran oder leicht – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und eines steht fest: An großartigen Restaurants mangelt es in Europas Metropolen nicht! Einige davon habe ich während meines letzten Urlaubs besucht und bin teilweise aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen.

Zu Besuch im Wiener „Steirereck“

Zuerst führte meine Reise mich nach Wien ins „Steirereck“. Das Restaurant unter Heinz Reitbauer ist unter anderem mit 2 Michelin-Sternen und 19 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet und eine Institution in der österreichischen Hauptstadt. Der futuristische Bau, der von außen verspiegelt ist, liegt mitten im Stadtpark und ist gut zu Fuß erreichbar. Man sollte rechtzeitig reservieren! Den Gast erwartet eine produktbezogene Küche: Fokussiert, köstlich, sehr individuell.

Besonders beeindruckt hat mich Reitbauers wohl bekanntestes Gericht, Saibling in warmem Bienenwachs gegart – eines der besten Fischgerichte, das ich je gegessen habe! Der Saibling wird mit 70 Grad heißem Bienenwachs übergossen. Wenn das Wachs fest geworden ist, wird es abgenommen und der Fisch ist toll gegart, mit ganz feinem Wachsaroma. Ein weiteres Highlight war auch die außergewöhnliche Tischdekoration: Jeder Tisch verfügte über eine transparente Leinentischdecke. Und auf unserem Tisch war zudem das Söl’ring Hof Logo mit Dünengras zu finden! Ein echtes Highlight und eine schöne Geste für die Gäste, wenn man beispielsweise Hochzeit feiert.

Gourmetrestaurant „La Vie“ in Osnabrück

In Osnabrück führte mein kulinarischer Weg mich abends ins Gourmetrestaurant „La Vie“. Hier kocht Thomas Bühner in einer alten Stadtvilla für seine Gäste. Das sehr gepflegte, zweistöckige Gebäude liegt mitten in der Innenstadt, nicht mal Parkplätze gibt es dort. Die Küche ist vielschichtig und beeindruckt durch tolle Produkte. Unter der Woche erhält man das 7-Gang-Menü für 98 Euro – so etwas habe ich auf der ganzen Welt noch nicht gesehen!

Neuentdeckungen mit Geheimtipp in Amsterdam

In Amsterdam ging es zum Lunch ins „&samhoud places“ unter Moshik Roth. Zwei Konzepte sind hier unter einem Dach vereint: Unten ein sehr gepflegtes Bistro, oben ein Gourmetrestaurant. Für kleines Geld kann man dort unglaublich gut essen. Wir hatten Enten-Bun – sehr lecker und saftig! Das Bistro ist gut, um mittags eine Kleinigkeit zu essen und ein tolles Ziel für Touristen.

Zum Dinner kehrten wir – auf Empfehlung von Gäste aus dem Söl’ring Hof – im Restaurant Bord’eau im Hotel De L’Europe ein, einem klassischen 5-Sterne-Hotel in der Innenstadt. Beeindruckend, wie mit wenigen Komponenten eine Speise so auf den Punkt gebracht werden kann – du bestellst Makrele und bekommst Makrele! Unglaublich köstlich, besser geht Makrele nicht.

Ein absoluter Geheimtipp ist das „Beulings“. Für die Anreise sollte man sich Zeit nehmen, denn es liegt etwas versteckt in einer kleinen Gasse. Das Restaurant hat keinen Stern, aber überzeugt durch eine unkomplizierte, tolle Küche. Genau der richtige Ort für einen entspannten Abend mit einem Gläschen Wein. Durch die offene Küche entsteht eine angenehme Wohnzimmer-Atmosphäre und man fühlt sich direkt wie beim Kochen für Freunde. In Amsterdam unbedingt besuchen!

Belgien: Kulinarische Highlights in Brügge

In einem Vorort von Brügge besuchten wir das „Hertog Jan“ von Gert de Mangeleer – das größte Highlight der Reise. Dieser sehr junge Chef trägt bereits 3 Sterne! Ich bin Fan der Benelux-Küche, weil wie bei uns im Söl’ring Hof Regionalität und Saisonalität im Fokus stehen. Die Belgier verwenden viele eigene Zutaten und sind regionalpatriotisch, aber auch offen für zum Beispiel asiatische Produkte. So ist die Küche extrem leicht und bekömmlich, schmeckt immer köstlich, ist kreativ und verspielt.

Das futuristische „Hertog Jan“ befindet sich in einer alten Scheune mitten in einer großen Parkanlage. Auffallend ist die acht Meter hohe Decke und die an ein Dreieck erinnernde Form. Die Küche ist extrem pur. Als Aperitif wurde reife Avocado mit Tomatenpuder, grobem Salz und Olivenöl sowie gegrillte Spitzpaprika mit Frischkäse und Tomatenwasser gereicht – sehr beeindruckend, besser geht es nicht! Sehr gut gefallen hat mir auch der unkomplizierte Service: Der Käse wird zum Beispiel in einer Schubkarre gebracht.

In Belgien führte unsere Reise weiter ins 3-Sterne-Restaurant “Hof van Cleve” in der Gemeinde Kruishoutem. Um das alleinstehende Haus zu erreichen, fährt man erst mal etwa 500 Meter über einen Feldweg, bis das Restaurant hinter einer Hecke auftaucht. Küchenchef Peter Goosens bereitete hier ein kulinarisches Feuerwerk vom Feinsten zu. Seine leichte und moderne Küche ist sehr zu empfehlen!

An dieser Stelle möchte ich auch das 3-Sterne-Restaurant „De Karmeliet“ von Geert Van Hecke in Brügge erwähnen. Wir waren vorher bereits zum Lunch in seinem Bistro. Das Gourmetrestaurant empfängt den Gast mit klassischem Ambiente, sehr gediegen und stilvoll, ebenso wie der Service. Im Hauptgang genossen wir Fasan in Wirsing eingewickelt, dazu ein schlotziges Fasanenragout mit Gänseleber. Mir haben besonders die fein justierten, kräftigen Aromen gefallen. Ein schöner Abschluss in Belgien!

Immer einen Besuch wert – das „Aqua“ in Wolfsburg

Die letzte Station unserer Reise war schließlich Wolfsburg. Hier kehrten wir zum Dinner im „Aqua“ ein, dem Lieblingsrestaurant meiner Freundin Theresa. Mitten in der Autostadt lädt 3-Sterne-Koch Sven Elverfeld in sein Reich im Hotel Ritz-Carlton ein. Seine Küche ist extrem zugänglich – vielschichtig, aber unkompliziert. Das „Aqua“ überzeugt dabei nicht nur durch ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis, sondern verfügt auch über einen tollen Sommelier, der eine gut kalkulierte Weinkarte präsentiert. Maître Jimmy Ledemazel bringt beeindruckend gut Lockerheit in das klassische Restaurant!

Mein persönliches Fazit dieser Reise: Mit dem vielseitigen kulinarischen Angebot der europäischen Küche können wir uns wirklich glücklich schätzen. Es ist immer wieder eine große Freude zu sehen, mit welcher Leidenschaft die Kollegen kochen, ihre Gäste begeistern und ihnen unbeschreibliche Genussmomente schenken! Ich bin mir nicht sicher, ob es viele andere Branchen gibt, in denen so viele Menschen auf unterschiedliche Art und Weise ihr Bestes geben und so kunden- bzw. gastorientiert arbeiten – sehr beeindruckend.